NAVIGATION
 
RUHR.2010
Ein Projekt der Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr2010
Babel - Netzwerkprojekt in sieben Stadtkirchen der Metropole Ruhr
Musik ist Kommunikation. Das ist ein wesentlicher Ansatz im Schaffen Hans Werner Henzes und auch seiner Schüler. Henze schafft Räume, in denen Menschen sich wieder erkennen, in denen ihre Gefühle und Hoffnungen reflektiert werden, in denen Kommunikation gelingen kann. Die Konzertreihe „Babel“, der das Bild von der babylonischen Sprachverwirrung zugrunde liegt, widmet den Werken Hans Werner Henzes besondere Aufmerksamkeit. Der Henze-Schüler Jan Müller-Wieland hat für „Babel“ ein neues Stück für Kammerensemble geschrieben.
„Babel“ ist ein gemeinsames Veranstaltungsprogramm von sieben Kantoren in sieben evangelischen Stadtkirchen auf der Großstadtachse entlang der A 40 inmitten der Metropole Ruhr. Mit ungewöhnlichen künstlerischen Mitteln werden in acht Konzerten Spielarten der Kommunikation spürbar gemacht. Pfingsten als Fest spiritueller Kommunikation trägt die Züge eines feurigen und inspirierten Geschehens. Nicht ohne Zufall findet die Konzertreihe in der Woche vor Pfingsten statt. Die Konzerte werden von den jeweiligen Kantoren geleitet. Nach sinfonischen, oratorischen und kammermusikalischen Konzertabenden findet „Babel“ seinen Höhepunkt im abschließenden Simultankonzert mit Musik und Film.
„Babel“ ist eine Koproduktion des Evangelischen Kulturbüros 2010 und der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 für "Das Henze-Projekt. Neue Musik für eine Metropole".
Babel-Abend 4 / „Die Schrift an der Wand“
Mittwoch, 19. Mai // 20.00 Uhr
Georg Friedrich Händel (1685-1759)
Belsazar – Oratorium in drei Teilen HWV 61
Jan Müller-Wieland (*1966), Traumbilder (2009) für Kammerensemble - Kompositionsauftrag des RUHR.2010-Projekts „BABEL“
Claudia von Tilzer, Sopran / Maria Hilmes, Alt / Daniel Lager, Altus / Jörg Nitschke, Tenor / Matthias Horn, Bass / Kammerchor St. Reinoldi Barockensemble an St. Reinoldi
Leitung: Klaus Müller
Händel schrieb sein Oratorium BELSHAZZAR (zu deutsch: Belsazar) 1744/45 nach einem Libretto von Charles Jennens, der u.a. auch die Texte zu Saul und dem Messiah verfasste. Der Kern der Handlung des Oratoriums findet sich in der Bibel beim Propheten Daniel und dem Propheten Jesaja. Der Librettist hat die biblische Erzählung mit weiteren Berichten aus historischen Quellen ergänzt und daraus ein äußerst dramatisches Libretto geschaffen. Händel bleibt dieser Dramatik nichts schuldig. Die Mittel, welche er dabei anwendet, weisen ihn als erfahrenen Opernkomponisten aus. Obwohl die Oratorien Händels nicht ausdrücklich für die Bühne komponiert wurden, beinhalten sie detaillierte szenische Anweisungen und werden gelegentlich auch inszeniert aufgeführt. Dem Chor fällt in Belshazzar eine mehrfache anspruchsvolle Aufgabe zu: Es gilt, die verschiedenen beteiligten Volksgruppen glaubhaft zu repräsentieren. Dabei hat der Komponist die Charaktere sehr schön herausgearbeitet. Die wilden, zügellosen Babylonier kontrastieren mit den strengen, wohlgeformten Chören der Juden, die Perser treten in kriegerischer Zuversicht auf. Auch die Solopartien sind wundervoll auf die Charaktere der Personen zugeschnitten. Händel ist dabei sparsam mit langen Arien umgegangen, insbesondere das Mittel der Dacapo-Arie wendet er eher selten an. Stattdessen schreibt er häufig Accompagnato-Rezitative, in denen die Sänger statt nur vom Generalbass vom ganzen Orchester begleitet werden. Dieses Mittel dient einer musikalischen Straffung des Textes und treibt zudem die Handlung voran. Zum barocken Streichorchesters treten als besondere Klangfarbe die Oboen hinzu. Bei besonderen festlichen Anlässen besetzt Händel auch die Trompeten und Pauken.
Die Aufführung erfolgt in englischer Sprache. Ein Textheft mit einer Übersetzung liegt zur Aufführung kostenlos aus. Die Aufführungsdauer wird nun ca 120 min. betragen.
Eintritt: € 18,-
Babel-Abend VIII – Last Night / Musik und Film
Pfingstsonntag, 23. Mai // 20.00 Uhr
Höhepunkt des BABEL-Projekts ist ein abschließendes Simultankonzert mit Musik und Film am Abend des Pfingstsonntags. Eine multimediale Vernetzung von sechs Kirchen schafft die Möglichkeit, an den künstlerischen Beiträgen in den jeweils anderen fünf Kirchen Teil zu haben.
Die Last Night findet in entspannter Atmosphäre statt. Die leer geräumte St. Reinoldi-Kirche lädt zum Wandeln und Entdecken ein. Im Vorprogramm ab 20.00 Uhr werden von dem Dortmunder Schauspieler Michael Kamp biblische Babylongeschichten gelesen, die von Kantor Klaus Müller am Klavier interpretiert werden. Während der gesamten Veranstaltung ist das Buffet geöffnet, bei dem man sich mit kleinen Speisen und Getränken versorgen kann.
Um 21.00 Uhr wird ein bekannter Film gezeigt, der das Thema „Babel“ auf besondere Weise erzählt. Es spielen u.a. Brad Pitt, Cate Blanchet. Der Film wird an sechs Stellen kurz unterbrochen, um die musikalischen Beiträge aus jeweils einer anderen Kirche einzuspielen. Auf diese Weise verschmelzen an diesem Abend die sechs beteiligten Kirchen zu einem einzigen, Ruhrgebiets umspannenden Konzertraum. Einen simultanen Abschluss findet das Projekt BABEL in aller Stille: Das Stück Tacet - 4’33’ von John Cage wird an allen Orten gleichzeitig, aber in verschiedenen Realisationen aufgeführt.
Eintritt: € 8,-
Infos unter: www.babel2010.de