Zum Ende der Woche

   … durchatmen

   … auf Musik und Worte hören

   … auf andere Gedanken kommen

   … beten – für uns selbst, für die Stadt, für alle Menschen

   … und gesegnet weitergehen.

Freitags um 18 Uhr gibt es an St. Reinoldi Raum dafür. Seit Mitte März ist aber vieles anders als „sonst immer“. Ab dem 10. Mai werden wir Schritt für Schritt die Kirche sonntags für gottesdienstliche Feiern öffnen unter den derzeit sehr beschränkt möglichen Bedingungen. Werden schauen, wie das vorsichtig, verantwortlich und fürsorglich mit- und füreinander gehen kann und Erfahrungen für alles Kommende daraus sammeln. Wir hoffen sehr, dass wir dann im Juni auch das Abendgebet freitags wieder gemeinsam aufnehmen können.

Und bis dahin tun wir es trotzdem – nur anders

Die Türen sind geschlossen und der Kirchraum leer. Aber wir (immer nur eine) zünden dort trotzdem zur üblichen Zeit Kerzen an. Schauen in Wortschätze der Bibel auf dem Altar. Nehmen die Welt und unser Leben ins Gebet. Legen Gott Menschen ans Herz, die uns begegnen und auch die, von denen wir nichts wissen. All die Gedanken, Sorgen und Lichtblicke, Unruhen, derzeitigen Beschränkungen und Zuversichten, die wir zu hören und sehen bekommen oder die wir nur erahnen können. Vertrauen darauf: Gott ist da und weiß schon …

Denken Sie sich dazu oder schicken Sie uns Ihre Anliegen

Uns fasziniert die Idee von Pfarrer Don Guiseppe Corbari aus Italien. Er ließ sich kurz nach dem „Shutdown“ in seinem Land von seinen „Gemeindemenschen“ Selfies zuschicken, druckte sie aus und legte sie auf die Bänke in seiner Kirche. So sind sie mit ihm da, sagt er, und fühlt sich mit ihnen verbunden. Freitags um 18 Uhr in der Kirche ergeht es mir (Susanne Karmeier, Stadtkirchenpfarrerin an St. Reinoldi) zurzeit ähnlich: Ich sehe auf all den jetzt freien Plätzen, in den leeren Bänken, vertraute Gesichter und dazu noch ganz neue, mir bekannte, auch fremde. Niemand ist da und doch sind viele gegenwärtig.
Wenn Sie möchten, denken Sie sich freitags um 18 Uhr dazu. Halten von Ferne, von zu Hause, wo auch immer Sie sind, mit uns inne. Finden sich ein bei sich und in der Gegenwart Gottes. Lassen die Woche Revue passieren und das Wochenende kommen.Wenn es Ihnen gut tut, schicken Sie uns Ihre Anliegen, Gedanken, Bitten (karmeier(at)sanktreinoldi.de). Wir nehmen Sie mit und zünden eine Kerze dafür an - so wie Sie es sonst immer selbst in der Reinoldikirche tun können. Es reicht auch einfach der Wunsch, eine Kerze zu entzünden – ohne weitere Erklärungen.

Ostern setzt einen Doppelpunkt - auch 2020 - immer noch

Ostern liegt hinter uns. Ganz anders als je zuvor. Aber die Glocken haben es am Ostersonntag dennoch vom Himmel geläutet und Bläser*innen des Bläserkreises an St. Reinoldi haben es vom Turm in alle vier Himmelsrichtungen hinaus posaunt: „Christ ist erstanden“:



Der alte Osterruf mit seiner über-begreiflichen Botschaft. Analogielos. Alles stellt er auf den Kopf. Aus Tod wird neues, anderes Leben. Aus Nacht Tag. Aus Finsternis ewiges Licht. Eine Hoffnung, ein Glaube, der unsere Aussicht verändert auf das Jetzt und das Dann und auf das, was Dazwischen ist. „Ich lebe und ihr sollt auch leben!“ – folgt daraus. Sagt Jesus im Johannesevangelium denen, die ihm nachfolgen, und uns heute zu. Was leben, lebendig sein/ bleiben/werden heißt für uns - schon jetzt – mitten in unserer Welt: Spüren wir es auf, gehen dem nach, lassen uns davon auffinden, wo auch immer wir sind und wie es mit uns ist - im Gespräch mit uns selbst, wo möglich mit anderen, vor allem mit Gott. Das Geheimnis, von dem wir nach Ostern herkommen, der Gott, der uns ins Leben ruft, der Auferstandene, dessen Herz weiter für uns schlägt, kennt keine verschlossenen Türen und unüberwindbaren Mauern und Grenzen, scheut keine Quarantänen. Verspricht dort zu sein, wo wir sind und mitzugehen und Spuren von sich und von Auf-er-stehen in unser Leben hineinzulegen. Bleiben Sie davon und dabei behütet und bewahrt.

   Lass dich fallen

   in den Segen des Himmels

   lass dich bergen

   von den Armen der Hoffnung,

   lass dich tragen

   vom Aufwind der Liebe… 

„Breit aus die Flügel beide …“ – zum Hineinhören oder Mitsingen

Ein Lied, das sich bei manchen mit Erinnerungen an Kindertage verbindet, mit Abendgebeten und Gutenachtkuss, und den Dauerwünschen, alle und alles möge beschützt bleiben. Der Text ist ein neuer geworden, weil wir ja erwachsener geworden sind, aber gemeint ist immer noch der Gott unserer Kinderherzen. Hören Sie sich hinein, summen Sie mit, stimmen Sie von zu Hause ein – nach Lust und Laune.  

 


   2. Breit aus die Flügel beide, du Freund in allem Leide, in Glück und Lebenskraft,
   im Hoffen und im Sorgen. Wir sind in Dir geborgen, Du Schöpfer, der den Segen schafft.

   3. Breit aus die Flügel beide, die Welt in Frieden kleide rundum dein Himmelszelt. 
   Die Taten und den Willen zum Guten wirst du stillen mit Leben, das dir wohl gefällt.

   Text: Zeile I: Paul Gerhardt, Christina Brudereck, Melodie: Traditionell