• Kino und Kirche

    Gottesdienst mit Filmszenen
    in St. Reinoldi

Kino und Kirche – miteinander im Gespräch

- das ist die Annäherung zweier Erzählgemeinschaften.

In St. Reinoldi heißt das:

sonntags // 18 Uhr // Gottesdienst mit Filmszenen

montags // 20.15 Uhr // der ausgewählte Film in der Schauburg, dem ältesten Programmkino in Dortmund, in ganzer Länge – Brückstraße 66, 44135 Dortmund (Eintritt 3 €) 

 

Informationen erhalten Sie bei Susanne Karmeier, Stadtkirchenpfarrerin an St. Reinoldi - Tel.  0231. 91 25 337 / karmeier@sanktreinoldi.de

„The Broken Circle"

 

Sonntag // 31. März // 18 Uhr

Gottesdienst mit Filmszenen

anschließend: Brot und Wein

Leitung: Susanne Karmeier, Bernd Becker, Christian Höfener-Wolf
Musik: The Tom Frost Four / Rieke und Dirk / Christian Drengk

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Montag // 1. April // 20.15 Uhr

Felix van Groeningens hinreißende Tragödie, Publikumsliebling der Berlinale 2013, in der Schauburg Dortmund in ganzer Länge. Eintritt 3 Euro

Früher waren sie einmal so glücklich: Der Bluegrass-Musiker Didier und die Tattoo-Künstlerin Elise. Eine hinreißende  Liebe: ungewöhnlich und intensiv. Aber dann trifft das Schicksal die beiden hart. Die gemeinsame Tochter erkrankt an Leukämie. Der Beginn einer Tragödie, die die Zuschauenden mit voller Wucht trifft. In den glücklisten Momenten schimmern die traurigsten immer schon auf – und umgekehrt. Ein Film wie ein Sog: unter die Haut und mitten ins Herz. Brillant gespielt von Veerle Beatens und Jojan Heldenbergh. Manchmal kaum auszuhalten.

Wie gehen wir mit dem Leben um und mit dem, was es uns zumutet? Was geschieht mit uns und in uns, wenn uns das Liebste verloren geht? Das Kind stirbt. Zwei Erwachsene bleiben zurück und mit ihnen der Schmerz. Didier ist Rationalist und verabscheut jeglichen Gott. Elise trägt ein Kreuz auf der Haut und um den Hals und sucht Trost in religiösen Vorstellungen. Was sagen wir unseren Kindern, wenn der Tod ins Leben einbricht und sie wissen wollen, was dann kommt? Wo ist Gott angesichts von Krankheit und Leid? Was hält uns, wenn es ernst wird? 

„The Broken Circle“ wirft große Fragen auf. Im Gottesdienst verweben sich Filmszenen mit biblischen Erfahrungen und unserer Suche nach Glauben und Verstehen und  Leben. “Wenn ich dich bräuchte, kämest du und würdest meinen Schmerz lindern?” Wo Worte fehlen, wo niemand mehr etwas sagen kann, da erzählt die Musik. Bluegrass – im Film und im Gottesdienst.

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Kino und Kirche miteinander im Gespräch - ein Projekt der Ev. Stadtkirche St. Reinoldi in Zusammenarbeit mit dem Lichtspiel & Kunsttheater Schauburg Dortmund

 

 

Kino und Kirche - Fenster zu einer anderen Welt

Es sind nur Lichtpunkte. Aber das Geschehen auf der Leinwand zieht uns in seinen Bann. Es entführt uns in bekannte und fremde Welten. 90 Minuten lang entfaltet sich die Magie des Kinos und saugt uns in ein anderes Leben. Dann gehen die Lichter an. Wir werden ausgespuckt in die Alltagsfarben. Wir haben geweint und gelacht, mit gefiebert und erschrocken weggeschaut, haben geträumt, gehofft, geliebt. Filme können uns erschüttern, irritieren, befremden und erhellen.

All das tut die Bibel auf ihre Weise auch. Nichts Menschliches und nichts „Himmlisches“ ist ihr fremd. Im Buch der Bücher geht es um Leben und Tod, Heimat und fremd sein, Schuld und Versöhnung, Glück und Liebe, gelebte und ungelebte Träume. Es geht um Familien- und Geschwisterkonflikte, Aufbrüche und Umbrüche, Jung-sein und Alt-werden, um Gemeinschaft und Einsamkeit, um krumme und gerade Lebenswege. Und darum, was Gott damit zu tun hat. 

Das Kino hat die existentiellen Fragen der jüdischen-christlichen Religion von Anfang an aufgegriffen und weitererzählt. Seitdem bietet es neben dem Glauben die eigene Sicht auf das Leben und die Welt an. "Filme sind Unterhaltungsware und zugleich Medien der Weltdeutung und der Sinnvermittlung. Sie erfüllen eine der Religion vergleichbare Funktion." (Jörg Herrmann). Universale Grundkonflikte, (Alb-)Träume und Phantasien vom Leben bereiten die bewegten Bilder spannend auf.  Die ausgewählten Filme in Reinoldi greifen große Lebensthemen und alltägliche Situationen auf, spiegeln etwas von unserer Gesellschaft wieder, werfen grundsätzliche Fragen nach Gott und Glauben auf. Im Gottesdienst treten Filmszenen in einen Dialog mit biblischen Geschichten und religiösen Erfahrungen. Filmbilder und Bibel befragen unser Leben - mit unserm Scheitern und Gelingen. Sie looten unsere Sehnsucht nach Sinn und Liebe aus. Sie erweitern und korrigieren unsere Sicht, die Welt und uns selbst zu sehen. Durch Musik, Gebete, biblischen Lesungen, Lieder und den Ort der Reinoldikirche ereignet sich das in einem spirituellen Erfahrungsraum. 

Was Sonntags nur fragmentarisch von den einzelnen Filmen zu sehen ist, kann am Montag in der Schauburg, Dortmund ältestem Programmkino, als „Gesamtkunstwerk“ in ganzer Länge beguckt und genossen werden.

„Kino ist ein Vorwand, das eigene Leben für ein paar Stunden zu verlassen.“ Hat Steven Spielberg einmal gesagt. Aber zugleich treffen uns die bewegten Bilder, wenn sie gut sind, pfeilgerade in das Herzzentrum unserer Existenz, unserer Wünsche, Träume, Lebensfragen, Gefühle und Passionen und führen uns so in unser Leben zurück – mit neuen Perspektiven für uns, mit neuen Sichtweisen auf Gott und die Welt.

 

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Interview zum Projekt Kino und Kirche – 2015

Sie können uns mitten ins Herz treffen: Filmbilder, die das Menschsein befragen, die existentielle Fragen aufwerfen, die das Leben mal gnadenlos, mal wunderschön und immer anders ausleuchten. Pfarrerin Susanne Karmeier bringt an St. Reinoldi Kino und Kirche zusammen - um den Blick auf beides zu weiten. Im Interview spricht sie über die Motive für die Reihe, über Kritikpunkte und das, was geschieht, wenn Mensch, Kirche und Film aufeinandertreffen. Das Interview führte Nadine Albach, zu dem Zeitpunkt journalistische Mitarbeiterin des reinodliforums.  | 

Link zum Interview 

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Evangelische Filmarbeit in der EKvW mit exemplarischen Filmgottesdiensten und Arbeitshilfen

kultur.ekvw.de/filme-in-Kirchen

 

Filme in Kirchen. Eine praktische Arbeitshilfe. Herausgegeben von der Evangelischen Kirche von Westfalen. Verfasst von Thomas Damm unter Mitwirkung von Susanne Karmeier. 2014. 

www.evangelisch-in-westfalen.de

ARCHIV  

Kino und Kirche-Projekte an St. Reinoldi

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„Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit“

mehrfach preisgekrönter Film mit einem herausragenden Eddie Mason als Mr. May

John May ist ein Mensch der ganz besonderen Art. Als Angestellter der Londoner Stadtverwaltung kümmert er sich mit Engelsgeduld um die Beisetzung und den Nachlass einsam Verstorbener. Wenn für andere der „Fall“ längst abgeschlossen ist – „case closed“, ehrt er das Leben.  Als seine Stelle wegrationalisiert werden soll, bearbeitet er seinen letzten Fall und wagt dabei selbst etwas Neues. Was bleibt von uns, wenn wir sterben? Welche Spuren hinterlassen wir? Welches Leben zählt wie viel? Und was ist ein erfülltes Leben? „Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit“ hat davon viel zu erzählen. Dem Regisseur Uberto Pasolini gelingt ein zauberhafter Film über Respekt und die Würde eines jeden Menschen. Britischer Humor inklusive. Das überraschende Ende ist vielleicht eines der ergreifendsten der Filmgeschichte. Im Gottesdienst begegneten sich Filmszenen, das Gleichnis vom verlorenen Schaf im Lukasevangelium und Ankündigungen aus dem Buch des Propheten Ezechiel. Wunderbar, wenn die Ewigkeit flüstert. 

 

 

„Honig im Kopf“

Ein Film zum Lachen und Weinen, der in seinen leisesten Momenten am stärksten ist - von dem Regisseur Tim Schwaiger 

Auf der Beerdigung seiner Frau spricht Amandus von Windbeuteln. Seine Milch bewahrt er im Bücherregal auf. Amandus ist mehr als ein bisschen durcheinander. Die Familie seines Sohnes erlebt, wie es ist, wenn einem die gewohnte Welt verloren geht. Komisch und traurig, unterhaltsam und ernst erzählt der Kino-Publikumsrenner von dem Regisseur Til Schweiger,  was es heißt, mit Demenz leben zu lernen. - Wer bin ich? Was bleibt von uns, wenn wir unser Be-wusst-sein verlieren? Was macht Menschsein aus? Im Gottesdienst trafen Filmszenen, biblische Erfahrungen aus Psalm 31 und göttlicher Zuspruch aus dem Buch des Propheten Jesaja aufeinander. Im Land des Vergessens miteinander glückliche Momente erleben. Tilda, die 11-jährige Enkelin von Amandus, zeigt, wie das geht: Das Lachen nicht verlernen, beieinander bleiben. Menschen mit Demenz geht Vieles verloren, aber nicht das Herz. 

„Brot und Tulpen“

Es gibt Gelegenheiten im Leben, die man beim Schopf ergreifen sollte. Sie sprengen die Grenzen dessen, was im Alltag möglich scheint und können unserem Leben eine neue Richtung geben. Rosalba, die bezaubernde Hauptfigur im Film „Brot und Tulpen“, packt jedenfalls zu. Und mit ihr der zurückhaltende, lebensmüde Feingeist Fernando, Kellner in Venedig. Was war? Was ist? Was soll noch werden? Bilanz ziehen, eingefahrene Muster überprüfen, auf die Stimme des Herzens hören und Neues ausprobieren: dazu regten Filmszenen in der Begegung mit dem erschöpften Elia im Gottesdienst an. Der mehrfach preisgekrönte Film „Brot und Tulpen“  des Regisseurs Silvio Soldini ist eine charmante Sommerkomödie – beschwingt wie ein Tango, schön wie Italien. Die TAZ titelte dazu: „Das Glück trägt Leggins.“

„In einer besseren Welt"

2011 ausgezeichnet mit dem europäischen Filmpreis und dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film 

 „Rattenfresse!“ – ein Wort in die Magengrube. „Weichei?“ – nach einem Schlag ins Gesicht. Gewalt hat viele Facetten. Wie können wir auf sie reagieren? Gewalt erzeugt Gegengewalt. Lässt sich dieser üble Kreislauf aufhalten, indem man sich bei einem Angriff nicht wehrt? 
Der preisgekrönte Film der Regisseurin Susanne Bier wirft diese Fragen auf subtile und dramatische Weise auf. Zwei Jungen in Dänemark wehren sich und das hat fatale Folgen. Anders handelt Anton, Vater des einen und Arzt in Afrika. Er hat hohe Ideale. Gewaltfrei leben gehört dazu. Aber ist das überhaupt möglich in einer von Gewalt beherrschten Welt? Der Film gibt keine einfachen Antworten. Er entlässt eher in die eigene Auseinandersetzung, macht auch ratlos und trifft damit genau den Nerv. Im Gottesdienst fragten Filmszenen und biblische Sichtweisen aus dem Altem Testament und der Bergpredigt Jesu nach einem Leben in einer besseren Welt. Wie sähe das aus und was ist der Preis dafür?

„Sein letztes Rennen"

Es ist nie zu spät, sich Ziele zu setzen und die auch erreichen zu dürfen. Sie verändern sich allerdings in den unterschiedlichen Lebensphasen. Schwierig wird es, wenn vorgefertigte Sichtweisen Menschen daran hindern, ihre eigenen Wege zu finden und zu gehen. Der Regisseur Kilian Riedhof erzählt mit seinem preisgekrönten Kinodebüt „Sein letztes Rennen“ dazu eine berührende Geschichte. Es geht um Kastanienmännchen und Marathon, um Liebe, um  Zu- und Vertrauen – auch zwischen den Generationen, um Alt-werden und Alt-sein. Im Gottesdienst traten Filmszenen und eine Heilungsgeschichte aus der Bibel im Johannesevangelium in einen Dialog, warfen ihr je eigenes Licht auf unser Suchen und Fragen nach erfülltem Leben, nach Lebenszielen und Lebensqualität. In welchen Momenten fühlen wir uns lebendig? Was heißt es für uns – in den unterschiedlichen Phasen unseres Lebens – lebendig zu sein? 

„Pilgern auf Französisch"

einfühlsame Komödie der Regisseurin Coline Serreau

Sommerzeit ist Reisezeit. Abstand vom Alltag bekommen. Neue Wege gehen – mit den Füßen, mit dem Herzen. Sich entdecken, oder Gott? Manche begeben sich auf Pilgerreise. Darum geht es in dem Film „Saint Jacques – Pilgern auf Französisch“. Drei Geschwister brechen zusammen auf. Allerdings nicht ganz freiwillig. Sie erhalten das Erbe ihrer verstorbenen Mutter nur, wenn sie gemeinsam eine Pilgerreise nach Santiago de Compostela machen. „No way“, „Auf gar keinen Fall“, sagen sie sich zornentbrannt. Sie sind sich erstens spinnefeind, zweitens ungläubig und drittens körperlich nicht fit für solche Strapazen. Dennoch gehen sie miteinander los. Begegnen anderen Menschen. Und finden viel mehr als das Erbe, das lockt. Der Gottesdienst hob Fundstücke aus dem Film und aus biblischen Wegerfahrungen – dem Wandlungsweg von Jakob erzählt im zweiten Buch Mose. Entdeckte Orte und Möglichkeiten für Veränderung. 

„Mr. Nobody"

mehrfach preisgekrönten Film des Regisseurs Jaco van Dormael  

Ist es der Flügelschlag eines Schmetterlings oder ein Blatt im Wind – was oder wer entscheidet, welche Richtung unser Leben nimmt? 2092: Die Menschheit hat den Tod überwunden. Mit 118 Jahren blickt Nemo Nobody, der letzte Sterbliche, auf sein Leben zurück. Die Erinnerung scheint verworren:  Als Neunjähriger steht er auf dem Bahnsteig. Seine Eltern haben sich getrennt. Soll er beim Vater bleiben oder zu der Mutter in den Zug steigen? Zwei Lebenswege – zwei möglich Biografien. Die sich immer weiter verzweigen. 
Ein Mann – drei Leben, drei Liebesgeschichten. Eine faszinierende Bilderflut. Mr. Nobody erzählt eine phantastische Geschichte von den schier endlos erscheinenden Variationen des Lebens – ein wunderbar philosophisches Spiel. Welches Leben ist das richtige? Wie wird unser Leben zu dem, was es ist? Warum wählen wir eine Sache und nicht ein andere? Was wäre, wenn…? Im Gottesdienst kamen Filmausschnitte mit biblischen Erfahrungen aus Psalm 31 und dem 1. Brief von Paulus an die Korinther (Kap. 13, VV8-13) miteinander ins Gespräch.

„Kirschblüten Hanami“

Es ist nie zu spät, einen Traum zu erfüllen und ein Leben anders fortzusetzen.

Die Regisseurin Doris Dörrie erzählt in ihrem mehrfach preisgekrönten Film „Kirschblüten – Hanami“ vom Leben, von der Liebe und vom Tod. Es geht um eine Frau (gespielt von Hannelore Elsner) und eine nicht ausgelebte Sehnsucht. Es geht um ihren Mann (gespielt von Elmar Wepper), der beginnt, das Leben noch einmal neu mit den Augen seiner Frau zu sehen – ein Weg vom Tod zum Leben und wieder zurück zum Tod. Und es geht um Eltern und ihre erwachsen gewordenen Kinder.  Ausschnitte aus dem Film trafen im Gottesdienst auf Poesie von  Alfred Lord Tennyson, Johann Wolfgang von Goethe, Erich Fried, Mascha Kaléko, Rose Ausländer und Gedanken aus der Bibel zu Liebe und Tod, zu Abschied und Hoffnung.

„Welcome“

Sie heißen Iyadurai, Adiba, Hamid, Mehran. Sie kommen aus Sri Lanka, dem Irak und Iran, aus Afghanistan und auch aus Libyen. Ganz allein. Ohne Eltern, ohne Verwandte. Sie sind 16 oder 17 Jahre alt. Tausende unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die die Grenzen Europas überschreiten, um bei uns – auch in Dortmund  - eine neue Heimat, einen Ort zum Leben zu finden. Eines dieser Schicksale beschreibt der Film „Welcome“ des französischen Regisseurs Philippe Lioret aus dem Jahr 2009, ausgezeichnet mit dem Preis der Ökumenischen Jury bei den Filmfestspielen in Berlin und dem Filmpreis des Europäischen Parlaments - für Amnesty International ein „Edelstein im Menschenrechtskino“. Erzählt wird die Geschichte des 17jährigen kurdischen Flüchtlings Bilal, der aus seiner Heimat im Irak nach Frankreich geflohen ist und dort versucht den Ärmelkanal zu überqueren, um nach England zu gelangen  - ein Flüchtlingsdrama am französischen Ärmelkanal. Im Gottesdienst wurden Filmszenen dieses realen Dramas unserer modernen Welt mit biblischen Wegweisungen zum Umgang mit „Fremden“ aus dem ersten und zweiten Testament.