Die neue Hauptorgel

ist zweifellos eine echte Königin der Instrumente – ein exklusiv für St. Reinoldi konzipiertes kirchenmusikalisches Schmuckstück mit visuellen und klanglichen Qualitäten auf höchstem Niveau: ob als Soloinstrument oder im Zusammenspiel mit der Chororgel und weiteren Instrumentalisten und Sängern auf der Empore bzw. im Kirchenraum. Als Skulptur korrespondiert die Orgel mit den architektonischen Gegebenheiten des gedrungenen Kirchenraums: aufstrebend, die Vertikale betonend, wirkt sie schlank, leicht und wie schwebend vor einer Glasrückwand.
Die neue Orgel der Orgelbauwerkstätte Mühleisen ersetzt die defekte und nicht mehr reparierbare Nachkriegsorgel von 1958 und wird mit modernster, innovativer Orgeltechnik die Kirchenmusik an St. Reinoldi maßgeblich bereichern und aufwerten. Zu erwarten sind Raum-Klang-Erlebnisse mit überregionaler Ausstrahlung.

Raumgefühl und Transparenz

Standort: auf der Orgelempore über dem Westportal mit Durchgang zum Turmraum. Form und Schauseiten des Instruments werden unter Berücksichtigung der Vorgaben der Orgelbauwerkstätte und der Orgelsachverständigen konzipiert – Disposition, Größe, optimaler Anordnung der Werke, Klangabstrahlung etc. – und in die vorhandene Architektur eingepasst.. 

  • „Für den Entwurf der Hauptorgel war ein übergeordnetes Ziel, die Türanlage im Erdgeschoss einschließlich der Glastüren mit künstlerischer Gestaltung so in die Orgel zu integrieren, dass eine Einheit entsteht. Ein weiteres Ziel war, die Transluzenz der Glastüren auch im oberen Bereich der Orgel aufzunehmen und die Orgel als Skulptur in und vor die Laibung der Turmöffnung zum Kirchenschiff zu stellen.“  Architekturbüro Bernhard Hirche

Ein rückseitiger Treppenzugang für die Musiker entsteht: Anders als die jetzige Orgel verfügt das neue Instrument über einen angebauten mechanischen Spieltisch und bietet aufgrund ihrer schlanken Form Raum auf der Empore für den Organisten und weitere Musiker. Offenheit und Transparenz ist Konzept: Die Empore erhält eine sprossenlose Glasbrüstung. Dahinter ist beidseitig des Spieltisches Platz für Solisten.

Ein weiterer Hingucker sorgt für Durchblick: Die gläserne Rückwand hinter der Orgel öffnet den Blick zum Westfenster im Turmraum, betont die Silhouette der Orgel und verlängert optisch den Kirchenraum. Vom Turmraum aus wird der rückseitige Prospekt mit den großen Orgelpfeifen sichtbar.

Klangbilder aller Zeiten

Ausgestattet wird die neue Orgel mit vier Manualen (Hauptwerk, Oberwerk, Schwellwerk, Solowerk) und Pedal. Die Orgelpfeifen der 63 Register werden mit Hilfe einer mechanischen Spieltraktur vom angebauten Spieltisch aus zum Klingen gebracht. Alternativ können sie vom mobilen Spieltisch im Kirchenraum angesteuert werden – gemeinsam mit der Chororgel (und weiteren Instrumenten) oder separat.

  •  „Die neue Orgel greift Stilelemente der 1945 zerstörten, hochgerühmten Walcker-Orgel von 1909 auf. In der neuen Hauptorgel finden aber auch über 20 brauchbare Register aus der Walcker-Orgel von 1958 eine Wiederverwendung, sodass das neobarocke Klangbild dieser Periode in Grundzügen erhalten bleibt.“  Werkstätte für Orgelbau Mühleisen

Was zu retten ist, wird erhalten: Restaurierbare Register der Orgel von 1958 werden aufbereitet und in das neue Instrument integriert. So bleibt die alte Orgel mit ihrem neobarocken Klangbild in Teilen weiterhin klanglich präsent. Die neue kann mehr, ist vielfältiger: Sie entführt in hier bislang ungehörte stilistische Klangwelten.

In Rückbesinnung auf die erste Walcker-Orgel von 1909 wird bald wieder die bisher nur bedingt darstellbare symphonisch-romantische Orgelmusik in St. Reinoldi erklingen. Zeitgemäße Orgelbau-Komponenten wie Windabsteller, Percussion- und Aliquotregister, frei programmierbare Koppeln etc. ermöglichen moderne und zeitgenössische Orgelmusik jeglicher Couleur. Der rechnergestützte elektronische Spieltisch im Kirchenraum gewährt Zugriff auf weitere externe Klangerzeuger.
Die neue zweiteilige Orgelanlage kann den mittelalterlichen Kirchenraum von zwei Orten gleichzeitig beschallen. Beide Teilinstrumente – Hauptorgel- und Chororgel – bilden zusammen ein hervorragendes, innovatives Konzertinstrument mit nahezu unbegrenzten Möglichkeiten.

Sobald die Chororgel erklingt, beginnt die Demontage der Nachkriegsorgel. Die Fertigstellung der neuen Hauptorgel ist für 2020 geplant.