Unternehmen Orgelbau

Planung und Bau einer neuen Orgel ist Teamarbeit im fortwährenden Abstimmungsprozess. 
Neben Bauherrn, Denkmalbehörde und Orgelsachverständigen arbeiten maßgeblich zwei Gewerke Hand in Hand:

Der Architekt konzipiert das Instrument für die vorgegebene Architektur, berücksichtigt Blickachsen und Klangbeziehungen und entwirft das äußere Erscheinungsbild: die Front (Orgelprospekt) und das Gehäuse. Optik, Akustik und Funktionalität bestimmen die Form. Jede Kirche ist anders, daher ist jede Orgel ein Unikat – mit unverwechselbarem Charakter. Auch die neue Orgelanlage für St. Reinoldi wird einzigartig.

Der Orgelbauer widmet sich dem „Innenleben“ des Instruments. Ein Team aus Orgelkonstrukteuren baut Pfeifenreihen, Ventile, Windkammern etc. sowie den Spieltisch (oder mehrere) mit Tastaturen, Registerzügen, Notenpult und weiterem Zubehör.

Immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe Orgelbau 

Die Orgel – ein Instrument mit langer Geschichte: Vor über 2.000 Jahren in Ägypten erfunden, gelangten Orgeln über Byzanz nach Europa. Heute zählt Deutschland zu den wichtigsten Ländern für die Weiterentwicklung des Orgelbaus und der Orgelmusik. „Hochspezialisiertes Erfahrungswissen und besondere Fähigkeiten“, „traditionelles Handwerk mit innovativer Technik der jeweiligen Epoche“, befand die UNESCO im Dezember 2017 und zeichnete die deutsche Kunst des Orgelbaus und der Orgelmusik als immaterielles Kulturerbe der Menschheit aus.

Einstimmung auf das Zusammenspiel

Das fertig aufgebaute Instrument wird vor Ort gestimmt: Nach der Installation in der Kirche prüfen Orgelbaumeister und weitere Experten den Klang jeder einzelnen Pfeife und das Zusammenspiel aller Raumelemente. Hier und da wird nachgearbeitet, neu intoniert. Das Ziel: ein sauberer, ausgeglichener Klang an jedem Punkt im Kirchenraum. Klang, Architektur und Technik sind zu harmonisieren: Orgelbau ist große Handwerkskunst mit langer Tradition – die Liebe zum Instrument vereint mit technischem Know-how, Materialkenntnis und höchster Präzision in der Bearbeitung.

Die Ausschreibung zum Bau einer neuen Orgel für St. Reinoldi gewann ein Tandem aus Orgelbau-Werkstätte und Architekturbüro, das ihr Können und ihren Teamgeist schon in zwei gemeinsamen Orgelbauprojekten unter Beweis stellte. Die Musik steht dabei im Mittelpunkt: St. Reinoldi bekommt eine Mühleisen-Orgel.
 

Mühleisen – Werkstätte für Orgelbau in Leonberg 

Gegründet wurde die international renommierte Werkstätte für Orgelbau Mühleisen 1986 im schwäbischen Leonberg von Konrad Mühleisen, Sohn und Neffe von Orgelbaumeistern. 2008 gab er sein Unternehmen an eine junge Geschäftsleitung weiter, die es in seinem Sinne weiterführt: offen für stetige Weiterentwicklung des tradierten Kunsthandwerks. Derzeit arbeiten 23 Meister und Gesellen und eine Auszubildende in der Werkstätte in Leonberg – oder beim Kunden vor Ort, in Kirchen weltweit. Instrumente aus dem Hause Mühleisen stehen nicht nur in ganz Deutschland, sondern auch in Ungarn (Budapest), Norwegen (u. a. in Arendal, Drammen und Tromsø), in Polen und in Estland.

  • „Wir möchten, dass unsere Orgeln ihre Zuhörer klanglich umarmen, 
    weshalb wir vor allem auf warme und charaktervolle Grundstimmen Wert legen, die als angenehmes und tragfähiges Fundament des gesamten Klanggebäudes angelegt sind.“ Werkstätte für Orgelbau Mühleisen

120 Orgelneubauten verzeichnet Mühleisen in den drei Jahrzehnten ihres Bestehens, dazu eine ähnliche Anzahl an Umbauten/Revisionen bestehender Orgeln sowie etliche Restaurierungen.
Die neue Orgel für St. Reinoldi mit ihren 63 Registern, 4 Manualen und Pedal sowie mit einer eigenständigen Chororgel rechnet die Werkstätte zu ihren Großprojekten. Vergleichbare Neubauten realisierte Mühleisen in den letzten Jahren in Karlsruhe (St. Bernhard), Düsseldorf (St. Antonius), Köln-Sülz (St. Nikolaus) und Bamberg (St. Stephan).
Umfangreiche Referenzliste mit vielen Fotos: www.orgelbau-muehleisen.de 
 

Architekturbüro Bernhard Hirche, Hamburg 

Der Schwerpunkt des Hamburger Architekturbüros Prof. Dipl.-Ing. Bernhard Hirche liegt auf Planung und Entwurf. Zahlreiche Wettbewerbserfolge belegen Hirches Vielfalt und Kompetenz. Der Architekt kann ein vielseitiges Portfolio vorweisen: von Einfamilienhäusern über Bauten für Verwaltung, Industrie, Kultur, Hochschule bis hin zu Innenraumgestaltung, Objekt- und Möbeldesign. Auch Orgeldesign zählt dazu.
Im Fokus von Prof. Hirches Schaffen steht das Spezialgebiet „Bauen im Bestand“ – besonders Umnutzung, Restaurierung und Erweiterung von Kirchenbauten. In denkmalpflegerischer Auseinandersetzung mit historischer Bausubstanz entwickelt er für Umbauten Lösungen, die alle historischen und neuen Elemente berücksichtigen.

  • „Die Reinoldikirche mit ihrer im Verhältnis zur Breite der drei Schiffe relativ geringen Höhe verlangt eine Vertikalisierung des Raumes durch die Gestaltung der Orgeln, die aufstrebenden Dienste der Gewölbe unterstützend. 
    Durch den Überstand der Pfeifen und den Durchblick zwischen den oberen Pfeifenenden wird eine wandartige Wirkung des Prospektes vermieden.“ Architekturbüro Bernhard Hirche

Diesen Ansatz verfolgt Bernhard Hirche von Karrierebeginn an: Anlass der Eröffnung seines Architekturbüros 1980 in Hamburg war der Gewinn des Wettbewerbs um den Wiederaufbau der Apostelkirche in Hamburg-Eimsbüttel. Aufgrund seiner Erfahrungen im Kirchenbau und der Denkmalpflege war Hirche lange Jahre Mitglied im Bauausschuss der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche und im Hamburger Denkmalrat sowie seit 1991 Professor für Architektur an Hamburger Hochschulen, zuletzt an der 2006 neu gegründeten HafenCity Universität. Details: www.architekt-b-hirche.de

Bewährtes Team 

Die Reinoldi-Orgel ist mittlerweile das dritte Kooperationsprojekt der Werkstätte für Orgelbau Mühleisen und des Architekturbüros Prof. Hirche: nach dem Orgelneubau für die Kirche am Rockenhof in Hamburg-Volksdorf (bis 2002) – und dem bedeutenden gemeinsamen Großprojekt Stiftskirche Stuttgart.
Die historische Stiftskirche mitten in der Innenstadt Stuttgarts (Hauptkirche der Evangelischen Landeskirche in Württemberg) erhielt im Zuge einer kompletten Umgestaltung des Innenraums 2004 die bislang größte Mühleisen-Kirchenorgel mit 4 Manualen, 85 Registern und weit über 5.000 Pfeifen. Auf das Instrument abgestimmt, entwarf Architekt Hirche eine bemerkenswerte neue, moderne Deckenkonstruktion für die Stiftkirche – mit eingespannten Akustiksegeln aus Glas. Für die Reinoldi-Orgel plant Hirche eine gläserne Rückwand mit ähnlicher Funktion als Schallreflektor.

Die Planungen für den Bau der Chororgel und der Hauptorgel sind nahezu abgeschlossen. Ab Januar 2019 startet die Umsetzung.