Im Wintersemester 2026/27 befragen wir bei Bild und Klang in St. Reinoldi Heilige Räume.
Jerusalem gilt immer wieder als „Nabel der Welt“. Wohl kaum eine andere Stadt ist in solch dichter und vielschichtiger Weise von heiligen Orten, deren Überlagerungen und Verflechtungen, aber immer wieder auch konfliktreichen Konkurrenzen über Jahrtausende hinweg geprägt. Und als wäre das genug, kommen noch Visionen und Utopien eines „Himmlischen Jerusalem“ hinzu.
Wohl nirgendwo wie hier in Jerusalem liegen in so unmittelbarer Nachbarschaft heilige Orte von Christentum, Judentum und Islam beieinander. Im Zentrum des historischen Beitrags von Dr. Stefan Mühlhofer (Stadtarchiv Dortmund) steht die Grabeskirche, die seit ihrer Erbauung unter Kaiser Konstantin eine wechselvolle Geschichte erfahren hat, heute von sechs christlichen Konfessionen betrieben wird und wo die wohl heiligsten Orte des Christentums verehrt werden: darunter der Ort, an dem Jesus Christus gekreuzigt worden ist, und sein Begräbnisort. Verehrt wird aber auch ein Ort, an dem der Schädel Adams gelegen haben soll.
Der musikwissenschaftliche Beitrag von Vinzenz Laarmann (TU Dortmund) untersucht, wie das Himmlische Jerusalem im Laufe der Musikgeschichte musikalisch aufgegriffen und gedeutet wurde. Die Auswahl der vorgestellten Werke reicht von Hildegard von Bingen über Hubert Parry und Emerson, Lake & Palmer bis hin zu Naomi Schemer. Dabei wird deutlich, dass das Himmlische Jerusalem nicht nur in der Kirchenmusik, sondern auch in anderen musikalischen Kontexten als Ausdruck menschlicher Sehnsucht begegnet.
Die Kunsthistorikerin Prof. Barbara Welzel (TU Dortmund) wendet den Blick unmittelbar in die Reinoldikirche und zeigt, wie Referenzen auf das historische Jerusalem ebenso wie auf das Himmlische Jerusalem die Ausstattung dieses Ortes geprägt haben.
Anlass für die Themenwahl „Heilige Räume“ in diesem Wintersemester sind der tiefgreifende Transformationsprozess der Kirchen, die gegenwärtig zahlreiche ihrer Gebäude zur Disposition stellen, sowie die Veränderung der Innenstädte und Quartierszentren. Die Vorlesung fragt vor diesem Hintergrund in einem größeren Kontext nach der Bedeutung „Heiliger Orte“ und möchte so zu der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion beitragen.
Die weiteren Termine
3./10./17./24. November
1./8. Dezember
12./19./26. Januar '27
2. Februar '27
Programm des Wintersemesters zum Download
BILD und KLANG – öffentliche Vorlesungsreihe der TU Dortmund in Kooperation mit dem Stadtarchiv Dortmund, der Stadtkirche St. Reinoldi und KLANGVOKAL Musikfestival Dortmund.
In dem interdisziplinären Gespräch zwischen Kunstgeschichte, Musikwissenschaft und Geschichte werden vor Ort in der Stadtkirche wechselnde Themen behandelt. Die zwölf Termine im Wintersemester 2026/27 stehen unter dem Titel „Heilige Räume“. Die Themenspanne reicht von Gedenkorten und Mahnmalen hin zu Heiligen Hallen, von Jerusalem über Venedig bis nach Rom, in Filmvorführungen, Gesprächskonzert und Erzählungen. Der Ausklang der Vorlesungsreihe ist am 2. Februar 2027.
Veranstalter: Technische Universität Dortmund in Kooperation mit dem Stadtarchiv Dortmund, KLANGVOKAL Musikfestival Dortmund und der Stadtkirche St. Reinoldi
Leitung: Torsten Mosgraber | Dr. Stefan Mühlhofer | Prof. Dr. Barbara Welzel
Kontakt: Prof. Dr. Barbara Welzel TU Dortmund Institut für Kunst und Materielle
Die Vorlesungsreihe im Wintersemester 2020/21 hat wegen der Corona-Pandemie als „Bild und Klang: edition ortlos” stattgefunden. Es galt, eine andere Form für „Bild und Klang” zu finden, die den Ort – die Stadtkirche St. Reinoldi – offen und präsent hielt, aber zugleich auf die wöchentlichen Versammlungen eines großen Auditoriums verzichtete.
Unter dem link www.bild-und-klang.de/bild-und-klang-edition-ortlos sind Filme zu sehen, die für die "edition ortlos" entstanden sind.
• ÖFFENTLICHER RAUM // Public Space
• ANDERSORTE // Heterotopien
• KLANGRÄUME // Soundscape
• ERINNERUNGSORTE // Mnemotope
• DISKURSRAUM // Die Stadtkirche St. Reinoldi